Das LOSTRE-System • Treibeinrichtung und Fanganlage für Rinder

Das LOSTRE®-System (LOw-STREss-System) ist eine Weiterentwicklung der von Prof. Temple Grandin (www.grandin.com) etablierten und in zahllosen Schlachthöfen und Farmen installierten Treibesysteme für Rinder. Die Verwendung hochwertiger, langlebiger Materialien sowie die stabile, individuelle Konstruktion standen dabei für die Firma DEFI Woldegk ganz klar im Vordergrund.

LOSTRE-Zutriebssysteme für Rinder
LOSTRE Fanganlage mit Eintreibenbogen, Treibgang für Kalb und Mutterkuh, Vorwartebox und Klauenpflegestand oder Fang- und Behandlungsstand.
Wie ticken unsere Rinder?

Wer Einrichtungen für Rinder bauen möchte, muss sich zunächst deren Bedürfnisse und Verhalten anschauen. Das Tier und der Mensch müssen gleichermaßen im Vordergrund stehen, beide sollen hinterher mit den Einrichtungen arbeiten und zurechtkommen. Die Firma DEFI Woldegk ist von Anfang
an diesen Weg konsequent mit seinen einzigartigen Klauenpflege- und Behandlungsständen gegangen und setzt diesen nun mit dem LOSTRE-System fort.

Rinder sind Herdentiere

Rinder sind Herdentiere und verhalten sich wie Herdentiere. Rinder sind Beutetiere und verhalten sich wie Beutetiere. Die Evolution hat die permanente Entscheidungsfindung „To-fight-or-flight“, „Kämpfen oder Fliehen“, fest in das Verhalten von Rindern verankert. Schlecht für den Menschen, der mit den
Rindern arbeiten muss. Das „To-fight“ bedeutet unter Umständen für ihn schwere Verletzungen oder gar den Tod. Dies belegen immer wieder die
Zahlen der Berufsgenossenschaften, wo Todesfälle in der Rinderhaltung weit vor allen anderen Bereichen in der Landwirtschaft rangieren.
Das „To-flight“ bedeutet Schwierigkeiten beim Treiben von Rindern, denn die Fluchtrichtung ist in den seltensten Fällen die erwünschte Treiberichtung.

Sicherheit im Herdenverband

Raubtiere versuchen ihre erwählte Beute möglichst aus dem Herdenverband abzusondern. Im Gewimmel der Herde fällt es ihnen schwer, das Beutetier zu ergreifen; abgesondert ist es schnell erledigt. Daher lassen sich auch Rinder ungern von ihrer Herde entfernen und haben ein sehr hohes Bedürfnis zu dieser zurückzukehren. Das hat auch schon jeder bemerkt, der Rinder in eine bestimmte Richtung treiben möchte. Ob nun die Betäubungsbox auf dem Schlachthof oder der Klauenstand im Rinderstall: Immer wieder versuchen sie links und rechts auszuscheren oder bleiben einfach nur stur stehen.

Wenn Rinder oder rinderartige Tiere von ihren Weidegründen weiterziehen, dann nicht im großen Pulk. Das würde ihre wertvolle Nahrungsgrundlage auf breiter Front schädigen. Nein, schön hübsch einer hinter dem anderen. So bildet sich nur ein kleiner Trampelpfad und der Vorgänger hat die Trittsicherheit schon höchstpersönlich überprüft. Also, ruhig und gelassen hinterher. Und immer schön geschlängelt, nie geradeaus.

Alles im Blick

Rinder haben eine andere visuelle Wahrnehmung als wir Menschen. Das sollte man immer beachten, wenn man mit Ihnen arbeitet. Für Beutetiere ist ein guter Rundumblick überlebenswichtig. So können rechtzeitig anschleichende Raubtiere wahrgenommen werden und die Tiere können rechtzeitig die Flucht ergreifen. Daher sind bei den Rindern die Augen seitlich am Kopf angeordnet, die so fast 360°-Rundumsicht ermöglichen. Lediglich ein schmaler Winkel nach hinten kann nicht abgedeckt werden. Eine Fokussierung ist nur in der Front möglich, der weit überwiegende Bereich des seitlichen Sichtfeldes wird nur unscharf wahrgenommen. Aufgrund dieser Besonderheiten der Sehfähigkeiten zeigen Rinder besondere Verhaltensweisen. Abrupte, hektische Bewegungen lassen die Aufmerksamkeit der Tiere ansteigen und können Flucht- oder Panikreaktionen auslösen. In neuer, ungewohnter Umgebung neigen die Tiere zu vorsichtigem Erkundungsverhalten. Bereits geringe Ungewöhnlichkeiten, wie Lichtspiel oder ein heller Gegenstand auf dem Boden, können Angst vor dem Weitergehen auslösen.

Stress und Panik

Natürlich können neben visuellen Reizen auch andere Sinneswahrnehmungen Stress und Panik auslösen. Hierzu zählen insbesondere lauter Krach, aber sicherlich auch Schmerzen. Stress und Panik versetzen das Rind in den „Fight-or-flight“-Modus. Es treten Abwehr- (Kopfstöße, Ausschlagen) oder Fluchtbewegungen ein. Beides ist für den Menschen stets unangenehm und bergen erhebliche Verletzungsgefahren für Mensch und Tier. Dumm auch: die Unruhe überträgt sich, sofern diese wahrgenommen wird, auf die übrigen Tiere in der Nähe. Noch viel dümmer: Die gestressten Tiere warnen andere durch die Ausscheidung von Pheromonen über die Körperöffnungen (Schweiß, Urin, Kot). Nachfolgende Tiere werden also via Nase vorgewarnt und ändern sofort ihren Stressmodus. Ist der Adrenalinspiegel erst einmal oben, dauert es lange, bis die Tiere wieder in den Ruhezustand zurückfahren. Der Spaß an der Betäubungsbox oder am Klauenstand ist dann für die nächste Stunde, wenn nicht für den Rest des Tages vorprogrammiert. Mehr Informationen zum Stress bei Rindern: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4693215/

Die „Druckpunkte“ des Rindes

Rinder bilden als Herdentiere eine soziale Hierarchie aus. Diese Rangordnung wird in kurzen, aber durchaus auch mal heftig ausfallenden Kopfstoß-Kämpfen ausgehandelt. Jedes Tier besitzt eine individuelle „Aura“, die es bei Verletzung durch rangniedere Tiere zu schützen weiß. Rangniedere Tiere ergreifen bei Verletzung ihrer „Fluchtzone“ möglichst die Flucht. Da der Mensch in der Regel als ranghöher angesehen wird, kann man diese Fluchtzone zum Treiben von Tieren nutzen. Nähert der Mensch sich von vorn, weicht das Tier zurück. Kommt der Druck von hinten, geht das Tier nach vorn. Beide Fluchtrichtungen sind dabei seitlich ausscherend. Der Scheitelpunkt, der über die Fluchtrichtung entscheidet, ist bei Druck aus größerer Entfernung der Kopf. Bei nahem Druckaufbau, beispielsweise im Treibgang, ist der „point-of-balance“ die Schulter. Nähert man sich also einem Tier in einem Treibgang von vorn, wird es rückwärts laufen. Sobald die Schulter passiert ist, wird das Tier den Vorwärtsgang einlegen.

Wie funktioniert das LOSTRE-Zutriebsystem?

Das Verhalten der Tiere berücksichtigend ergeben sich die Vorgaben für ein intelligentes Zutriebssystem von selbst. Diese Vorgaben sind in die Konstruktion des LOSTRE®-Systems eingeflossen und sorgen für dessen reibungslose Funktion.

Die Kuh – ein kleiner Autist

Einige Verhaltensweisen und Sinneswahrnehmungen von Rindern erinnern an jene von Autisten. Auch sie haben eine detaillierte Wahrnehmung von visuellen und akustischen Reizen, welche sofort ihre Aufmerksamkeit einfordern. Kleinste Reize können große Wirkungen, Unruhe oder gar Panik hervorrufen. Ein kleiner Strohhalm auf dem Gang, eine kleine Lichtspiegelung reicht aus, um das Tier erstmal zum Stehen zu bringen. Daher ist das LOSTRE®-System durch seine dunklen, hohen Wände darauf ausgerichtet, diese Reizeinwirkungen auf das Tier so gering wie möglich zu halten. Die reizarme Umgebung im Gang wirkt beruhigend auf das Tier und sorgt für störungsfreien Betrieb.

Immer schön der Schlange nach!

Wenn Rinder auf Reisen gehen, dann schön hübsch der Reihe nach und nie auf dem geraden Wege. Ein weiterer Aspekt spricht für die Führung von Rindern in Kurven: Als Herdentiere haben sie das Bedürfnis wieder zurück zur Herde zu gelangen. Daher scheren sie beim losen Treiben gerne nach links oder rechts aus. Dem kommt die Konzeption der LOSTRE®-Anlagen entgegen. Stets werden die Tiere in Schlangenlinie oder Kurven geführt. Das gibt den Tieren ein gutes Gefühl: Es geht wieder nach Haus! Dabei kommt es auch auf die richtige Kurventechnik an. Zu enge oder zu weite Kurvenkrümmung bringen den Fluss ins Stocken, genauso wie zu lange Geraden. Mit unseren hochmodernen CAD-Programmen berechnen wir exakt die beste Linienführung für Ihr Objekt, damit es stets läuft!

Der Antrieb

Wer die Druckpunkte der Rinder kennt, weiß wie sie ohne Treibehilfen, Stock oder gar Elektro-Schocker vorwärts gebracht werden können. Die Schulter ist der Dreh- und Angelpunkt. Wie von Zauberhand bewegen sich die Tiere in der Regel durch das LOSTRE®-Zutriebsystem. Sollte die Karawane doch einmal stoppen, lässt sie sich ganz einfach wieder anfahren. Man steigt etwas vor dem Staupfropf auf die beidseitig des Ganges verlaufende Balustrade und zeigt sich so dem ersten Tier von vorne. Dann baut man Druck auf, indem man dem Tier entgegen läuft. Das Tier versucht rückwärts dem Druck auszuweichen, wird daran jedoch durch die hinteren gehindert. Im Moment der Schulter-Passage verlagert sich der aufgestaute Druck schlagartig von vorn nach hinten. Diesem Druck kann nun das Tier ganz einfach ausweichen, indem es vorwärts geht. Das Gleiche spielt sich dann beim zweiten, vielleicht noch dritten Rind genauso ab und schon fließt die Parade wieder, eines folgt dem anderen. Alles ohne Berührungen, ohne Gewalt.

Sobald Sie die Schulter des Tieres passieren wird es sich vorwärts bewegen - kontaktlos, sicher und stressfrei.
Aller Anfang ist schwer

Das Nadelöhr eines jeden Zutriebssystems ist die Einfädelung in den Gang. Wie bekommt man aus dem Knäuel einen einzelnen Faden? Dazu gibt es beim LOSTRE®-System hervorragend funktionierende Lösungen. Je nach Zweck und Größe werden zu Beginn des Systems Rondelle eingebaut. Mit diesen lassen sich, manuell oder hydraulisch, die Tiere schnell, gefahr- und kontaktlos in den schmalen Gang einführen. Auch hier wird geschickt mit den Druckpunkten der Rinder gearbeitet. Ohne Gewalt und Zeitaufwand laufen die Tiere ihren Weg. Für rechtwinklige Vorwartehöfe haben wir ebenfalls entsprechende Lösungen parat.

Was kann LOSTRE?

Die Fähigkeiten des Systems lassen sich in der Theorie nur schwer erkennen. In der Praxis wird dann schnell klar, dass die Investition eine für die Zukunft des Betriebes ist. Neubesitzer sind jedes Mal erstaunt, wie gut der Zutrieb von Rindern funktionieren kann. Die Frage, warum man das nicht schon eher installiert hat, tritt dann unweigerlich auf. Die Investition hat sich schnell amortisiert.

Kontinuirlicher Durchsatz

Ob im Schlachthof, am Klauenstand oder für die Behandlung, die Durchsatzrate ist entscheidend. Immer dann, wenn qualifiziertes Personal unnötig wartet, steigen die Kosten. Mit dem LOSTRE®-System gehören Wartezeiten der Vergangenheit an. Der kontinuierliche Durchsatz sorgt für reibungslosen Nachschub an Tieren. Die Auslastung von Maschinen und Personal wird optimiert, die Kosten werden deutlich gesenkt. Zudem wird der Personalbedarf für den Zutrieb deutlich reduziert. Wo früher 4-5 Menschen die Tiere treiben mussten, reicht heute einer aus.

Stressfreier Zutrieb

Ein stressfreier Zutrieb wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv aus. So kann die Verletzungsgefahr von Mensch und Tier auf ein Minimum reduziert werden. Der direkte Kontakt ist praktisch auf null heruntergefahren, der Mensch arbeitet außerhalb von der Gefahrenzone Kopf und Fuß. Stress führt unweigerlich zu Leistungseinbußen. Die häufigste Ursache für Fehlreifungen von Fleisch (PSE- und DFD-Fleisch) liegen im Stress ante mortem. Chronischer Stress führt beim Rind zum Verbrauch der Glykogen-Reserven in der Muskulatur, die dann für die Säuerung des Fleisches fehlen. Das Resultat ist ein minderwertiges Fleisch mit Schuhsohlen-Konsistenz. Akuter Stress führt zu einer überschießenden Säuerung des Fleisches, die eine hellere Farbe und geringere Wasserbindungskapazität zur Folge hat.

Im Erzeugerbetrieb wirkt sich Stress ebenfalls negativ aus. Stress führt zur Ausschüttung von Glukokortikoiden, die das Immunsystem beeinträchtigen. Häufigeres Auftreten von Krankheiten wie Lungen- oder Euterentzündungen sind die Folge. Stress führt zu geringeren Futteraufnahmen und damit zu Minderleistungen bei Fleisch und Milch.

Das LOSTRE®-System sorgt für einen ruhigen, nahezu stressfreien Zutrieb der Tiere. Damit wird dann auch die Arbeit an der Betäubungsbox, am Klauen- oder Behandlungsstand wesentlich entspannter. Und dadurch auch schneller und effizienter. Mehr Informationen zu den Auswirkungen von Stress bei Rindern:
https://animalstudiesrepository.org/cgi/viewcontent.cgi?article=1019&context=acwp_faafp

Arbeitssicherheit
Statistik der SVFLG "Verteilung der Nutztierunfälle auf häufigste Tierarten" aus 2017

Mehr als doppelt so viele Menschen verunglücken bei Unfällen mit Rindern, als bei allen anderen Nutztierarten zusammengenommen. Die Todesfälle bieten sogar eine dreimal so hohe Zahl auf als bei allen anderen vereint. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll die Gefährlichkeit beim Umgang mit dieser Tierart. Die meisten Unfälle treten auf, wenn Eingriffe an Tieren vorgenommen werden sollen. Insbesondere solche Eingriffe, die bekanntermaßen unangenehm oder gar schmerzhaft für das Tier sind. Das LOSTRE®-System in Verbindung mit den Klauenpflege- und Behandlungsständen der DEFI Woldegk reduziert das Risiko von Unfällen erheblich. Daher werden die Anschaffung und Investition in diese Systeme auch seit 1.4.2020 von SVLFG (Berufsgenossenschaft) finanziell gefördert.

Tierschutz und Tierwohl

Nicht nur der Mensch profitiert erheblich durch den Einsatz des LOSTRE®-Systems, sondern natürlich auch die Tiere. Wer sich die „Skandale“ der jüngsten Zeit in Sachen Tierschutz beim Rind genauer anschaut, dem fällt auf, dass ganz überwiegend das Treiben von Rindern und Lahmheiten moniert wurden. Die Veröffentlichung von illegal angefertigten Videos gibt nicht nur eine schlechte Publicity. Sie ziehen die Verhängung von Bußgeldern und Strafen, Betriebsstilllegung und Verbot der Tierhaltung sowie Abbruch der Beziehungen zu wichtigen Geschäftspartnern nach sich. Das wird dann in der Regel existenzgefährdend. Einen schonenden Umgang mit dem Tier sowie die zeitnahe Behandlung und Pflege von Rindern ermöglichen das LOSTRE®-System sowie die Klauenpflege- und Behandlungsstände der DEFI Woldegk in effektiver Weise. Eine lohnende Investition zur Vermeidung unerwünschter Bilder.

Lohnt sich das LOSTRE-Zutriebsystem?

Das LOSTRE®-Zutriebssystem birgt eine Fülle von Vorteilen. Tierschutz, Reduzierung der Verletzungsgefahren von Mensch und Tier, Stressfreiheit für Mensch und Tier sowie schnellerer Durchsatz an Tieren sind nur die wichtigsten Stichworte. Wie sehr lohnt sich aber nun die Anschaffung von LOSTRE® konkret für den einzelnen Betrieb? Erkennen Sie die LOSTRE-Vorteile in unseren Videobeiträgen.